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ALS OV NIX JEWÄSS WÜR     1993

Volksstück in rheinischer Mundart von Karl Schmalbach

Schmitz Familie mit Fremdarbeiter Opa Heinrich

Wenn man, wie ich, 1928 als Junge geboren wurde, so hat man gerade noch die “Gnade der späten Geburt“ erhalten; für die Entstehung des 3. Reiches mit seiner Naziherrschaft ist man nicht mehr mitverantwortlich. Aber immerhin sind von meinen Klassenkameraden noch 4 gefallen und auch mich hätte es am 2. März 1945 fast noch erwischt, als mich die Krefelder Parteileitung als frisch vereidigtes Mitglied des "Volkssturmbataillon Hitlerjugend" zwecks Verteidigung des Uerdinger Brückenkopfes mit einem Karabiner von 14/18 gegen amerikanische Panzer losschickte. Nur dem sehr humanen Vorgehen der Amerikaner haben meine Kameraden von damals und ich unser Leben zu verdanken.

Finchen und Marcel
Das Bild
Polizei
Frauenschaftsführer
Heimkehrer Ortsgruppenleiter

Meine Jugenderinnerungen, die mit der Schilderung dieses Geschehens und der anschließenden Gefangenschaft enden, habe ich schon in den 70er Jahren zu Papier gebracht und nun,"50 Jahre danach", nämlich nach dem Zusammenbruch von 1945, war ich mit diesem selbsterlebten Wissen, meinen Lank-Latumer Mitbürgern, dem heutigen Publikum, dieses Stück einfach schuldig. Fehlende und falsche Informationen, sowohl in den Medien als auch in den Schulen, hatten immer wieder zu versteckten und auch öffentlichen Anspielungen und Verdächtigungen aller Bürger geführt, die damals schon gelebt haben. Auch im lokalen Raum wurde pauschaliert, hier in Meerbusch Verdächtigungen von einem Stadtteil auf den anderen übertragen, z.B. betreffs Judenverfolgung und Gefangenenschikane.

Hands Up
Hausschlächter

Beim LOTUMER BURETHEATER konnte ich die Mitglieder sofort von der Notwendigkeit des Stückes überzeugen, in der Öffentlichkeit ging das nicht so reibungslos ab. Es gab Proteste bei der Stadtverwaltung Diese reichten von "Muss denn das heute sein" bis zum Verdacht des Neonazismus. Auch unser Hauptsponsor, eine Versicherungsgesellschaft, die mit DM 5000, an unserer Werbung beteiligt war, spielte verrückt. Als man dort die Textvorlagen und Fotos zu unserer "Zeitung zum Stück" zu sehen bekam (mit etlichen Naziemblemen und  Parolen), da verlangte die Geschäftsleitung ein Textbuch des Stückes zu sehen. Danach teilte man mir mit, dass man zwar meinen Mut bewundere, jedoch auf eine Anzeige in bewusster "Zeitung” verzichte. Die Kosten wurden dennoch bezahlt!

Zur Premiere teilte Kulturreferent Dr. Manke dem Publikum mit, dass die Stadt Meerbusch keine Bedenken gegen die Aufführung habe.

Bereits in der Premierenpause zeichnete sich ab, wie eindrucksvoll sich das Bühnengeschehen auf die Besucher auswirkte. Bei den Alten wurden bittere Erinnerungen wach, die Jungen staunten und so wurde heftig diskutiert, auch lange nach dem Stück und in der Presse. Auch das WDR-Lokalfernsehen drehte einen Bericht. Allerdings war man weniger an der Tatsache interessiert, dass hier erstmals das Thema "Nazizeit und Krieg" im niederrheinischen Milieu abgehandelt wurde, und das auch noch realistisch in Platt und mit größtem Erfolg, war man penetrant auf der Suche nach Widerspruch gegen das Stück und nach Gegensätzen in der Bevölkerung, die hier zum Thema Nationalsozialismus längst begraben sind. Mangels echter Nazis damals, gibt es hier heute gottlob auch keine Unbelehrbaren oder gar Neonazis aus welchen Gründen auch immer.

So war et Als ov nix gewäss wür

Die Resonanz auf dieses Stück (mit neuem Besucherrekord) hat mich tief befriedigt. ALS OV NIX JEWÄSS WÜR hat gezeigt, wie aktuell und wirksam heutiges rheinisches Volkstheater sein kann, und das auch völlig abseits von konsumgefälligen Themen und flachen, klamaukgeladenen Bühnenhandlungen. So, denke ich, hat ALS OV NIX JEWÄSS WÜR, eben mit den Mitteln des Volkstheaters, ein wenig zur Aufklärung der lokalen Vergangenheit und vielleicht auch zu deren Bewältigung beigetragen.

Kriegsverbrecher ?
Wahrheitsfinung

ALS OV NIX JEWÄSS WÜR möchte man mit Karl Schmalbach und dem Titel seines 1993 vom Lotumer Buretheater uraufgeführten Volksstücks in rheinischer Mundart sagen. Versöhnlich, wie seine humorvollen, aber nicht unkritischen Schauspiele enden, in denen sich der Autor auch mit sensibleren Fragen der hiesigen Vergangenheitsbewältigung auseinandersetzt, einigten sich Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand schließlich auf die Nachschrift “Wir gedenken auch der Bombenopfer und der Opfer von Terror und Gewalt  insbesondere der verfolgten jüdischen Mitbürger aus LankLatum” Siegfried Scharbert in “Die Pfarrkirche St. Stephanus zu Lank 1844  1994” über die Erneuerung der Gedenktafeln für die Lank Latumer Kriegsopfer im Jahre 1987.

Andenken

       Die Personen und ihre Darsteller:

Opa Heinrich Schmitz, Bauer                                - Hans Gerd Louis
Kathrinchen, Witwe, seine Tochter                         - Liesel Beeck
Finchen, deren Tochter                                          - Anja Caplan
Toni, deren Sohn                                                   - Peter Pütz
Marcel, poln. Kriegsgefangener                            - Kalli Zmugg
Jakob Pützenbach, Hausschlächter                       - Friedhelm Engels
Betty, seine Tochter                                                - Beate Watton
Fritz Imhoff, Ortsgruppenleiter                             - Heinz Stocks
Isolde Winkmann, Ns Frauenschaftsführerin      - Angela Pütz
Dr. Aldenhoven, Justizrat                                     - Hans-Ulrich Dischner
1 deutscher Soldat/ 1 Polizeiwachtmeister            - Robert Paas
1 amerikanischer Soldat                                      - Peter Schmalbach
Finchens Baby                                                     - Jayde Watton

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